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Geiseln: Von Deutschland nach Rußland und zurück: Chronik der Rußlanddeutschen am Beispiel der Familie Prieb

Von Alexander Prieb

Übersetzt aus dem Russischen von Eberhard Lacher

Verlag für Kultur und Technik, Kleve, 1998, 220 Seiten, Deutsch

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Die Germans from Russia Heritage Collection ist erfreut, Ihnen das Buch "Geiseln" von Alexander Prieb vorstellen zu können. Unser Dank gilt Sam Sinner und Eric J. Schmaltz, graduierten Studenten der Universität von Nebraska in Lincoln, Nebraska, für die Buchkritik. Obwohl es die Geschichte über zwei Jahrhunderte verfolgt, liest sich "Geiseln" von Alexander Prieb sehr schnell. Angefangen mit dem Kolonisationsprogramm Katherina der Großen in den 60er Jahren des 17. Jahrhunderts und der Auswanderung von Ludwig Prieb, dem Vorfahren des Autors, in das Dorf Prischieb in der Schwarzmeerregion im Jahre 1804, den Arbeitschroniken über die ersten Jahre der Siedler gezeichnet von Hunger und Kampf. Die harte Arbeit der ersten Siedler zahlt sich aus, und sie genießen ein beschwerliches, aber zufriedenstellendes Leben - bis zum ersten Weltkrieg.

Alexander Prieb schreibt ominös über die anti-deutsche Hysterie und Massendeportationen von Russlands Volksdeutschen. Darauf hinweisend, dass Stalin nicht der erste Verfolger der Russlanddeutschen gewesen ist, schreibt er, dass die Deportationen im ersten Weltkrieg "nur die ersten Anzeichen einer Krankheit namens Genozid waren". Die Vernichtungswelle fährt nach der Revolution der Bolschewiken, 1917, fort, als im Sommer 1918 zweiundzwanzig Einwohner aus Akimowka massakriert wurden. Im Jahre 1921 befiel Russland und die Ukraine die Hungersnot. Das Ergebnis davon waren Beschlagnahmungen, welche von der Regierung und unabhängigen Kräften ausgeführt wurden. "Hunger wurde zur Hauptwaffe der Bolschewiken gegen die Kleinbauern, die den Kolchosen nicht beitraten," behauptet der Autor. "Die von den Bolschewiken geplante Hungersnot der Bauern" führte zu "einem Meer menschlichen Leidens." Im Jahre 1933 wiederholte Stalin die Hungersnot.

Prieb schreibt über ganze ukrainische Dörfer, die vom Hunger ausgelöscht wurden, indem er "apokalyptische Bilder" von Massengräbern und Kannibalismus malt; alles ein Ergebnis der "vom Kremel bewerkstelligten Zustände der Hungersnot."

Prieb argumentiert richtig, dass Stalins Deportationen der Russlanddeutschen im zweiten Weltkrieg "eine logische Konsequenz anti-deutscher Politik, die von den Bolschewiken im Verlauf der '30er Jahre betriebenen wurden, waren." Während des zweiten Weltkrieges wurden Deutsch-Ukrainer zu Geiseln von Hitlers und Stalins Diktaturen. Viele Deutsch-Ukrainer, einschließlich Priebs Vater, wurden in die Nazi SS eingezogen, während sie Stalins Deportationen auf Grund der schnell vorrückenden deutschen Wehrmacht entkamen. Sogar diejenigen, die nicht am ukrainischen Holocaust beteiligt gewesen waren, waren für immer durch ihre Verbindung zu den eingefallenen Nazis gebrandmarkt. Prieb führt an wie junge russlanddeutsche Schüler nach dem Krieg unter ständigen Schikanen in den Schulen gelitten haben. Fritz und Faschist waren alltägliche Schimpfwörter. Zur Gegenwart gekommen, nachdem über eine Millionen Russlanddeutsche nach Deutschland ausgewandert waren, klagt Prieb, dass "der Vorgang der Russifizierung des Restes einer einst so großen, deutschen Volksgruppe mit unglaublicher Geschwindigkeit fortfährt."

Geiseln dokumentiert eine Familienodyssee so wie das Schicksal einer ganzen Volksgruppe. Eine Geschichte über Mut, Elend, Genozid und Überleben. Die Tragik von Priebs Arbeit liegt besonders in der Tatsache, dass sie, obwohl sie eine einzigartige Darstellung ist, auch viel von der deutschrussischen Gedenkliteratur, die jetzt ans Licht kommt, versinnbildlicht.

In der Nach-Sowjet Ära stellt Geiseln einen weiteren Baustein in der Wiederaufrichtung der Mauer der geschichtlichen Erinnerungen dar. Prieb scheint zu hoffen, dass seine und die Geschichte vieler anderer niemals als "Geisel" in geschichtliche Vergessenheit geraten wird. Verfolgung, Schikanen, Zwangsarbeit, Hinrichtung, unnötiger Hunger und Entbehrungen - das ist die Litanei, die in der Geschichte von fast jeder russlanddeutschen Familie des zwanzigsten Jahrhunderts angetroffen wird.

Der Leser von Geiseln wird verstehen, warum mehrere Hunderttausend von Russlanddeutschen seit mehr als einem Jahrzehnt nach Deutschland ausgewandert sind. Jetzt im Alter von 50 Jahren hat Prieb geschickt und erfolgreich seine Fähigkeiten als gelernter Historiker und erfahrener Journalist verbunden, um die bewegende Erfahrung und Beharrlichkeit seiner Volksgruppe auf sympathische und genaue Weise zu porträtieren. Was die Zukunft für diese Gruppe bringt, bleibt ungewiss, aber Prieb hat sein Ziel erreicht, einen Teil der russisch-deutschen Geschichte, die seine Familie hautnah miterlebt hat, aufzuarbeiten und zu bewahren.

Buchkritik von Samuel D. Sinner, Germanistisches Institut, University of Nebraska-Lincoln.
Computer Input, Herausgabe, und zusätzliche Bemerkungen von Eric J. Schmaltz, Institut für Geschichte, University of Nebraska-Lincoln, Lincoln, Nebraska


Geiseln

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