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Review of the book The Open Wound: The Genocide
of German Ethnic Minorities in Russia and the Soviet Union, 1915-1949
and Beyond (Der Genozid an Russlanddeutschen 1915 - 1949)
von Samuel D. Sinner
Veröffentlicht von Germans from Russia Heritage Collection,
North Dakota State University Libraries, Fargo, North Dakota, im
Jahr 2000, 353 Seiten, Softcover und Hardcover, ein Band, in Englisch
und Deutsch.
Buchbesprechung von J. Otto Pohl, Sacramento, Kalifornien,
Autor des Buches Ethnic Cleansing in the USSR, 1937 - 1949.
Westport, CT: Greenwood Press, 1999.
English
Samuel Sinners neues Buch ist ein willkommener Beitrag zu einem
zunehmenden Teil von Literatur zum Thema Genozid. Sinner beschreibt
die verschiedenen Phasen des Genozids, der an Russlanddeutschen
verübt wurde, und kalkuliert den sich daraus ergebenden Sterblichkeitsexzess
von jeder Phase. Der ganze Prozess des Genozids umfasst 34 Jahre
(1915 - 1949) und drei verschiedene Herrscher: Zar Nikolaus II,
Lenin und Stalin. Während des ersten Weltkriegs deportierte Zar
Nikolaus II fast 200 000 Volksdeutsche aus Wolhynien, Bessarabien
und anderen westlichen Regionen des Russischen Reichs nach Sibirien.
Sinner schätzt, dass 1/3 bis ½ an Deportierten starb. Während des
Russischen Bürgerkriegs (1917 - 1921) massakrierten Bolschewiken
Kräfte über 60 000 Volksdeutsche an der Wolga, in der Ukraine, auf
der Krim und im Kaukasus. Diese Gräueltaten geschahen im Zusammenhang
mit Zwangsablieferungen von Getreide, die die deutschen Gemeinden
an der Wolga und in anderen Gebieten ohne Nahrung ließen.
Sinner kalkuliert, dass die Hungersnot, die aus diesen Ablieferungen
entstand, das Leben von 300 000 Russlanddeutschen forderte; 150
000 davon in der Wolgaregion. Unter Stalin töteten bis 1937 die
Massen Deportationen der Bauern, die als Kulaken gebrandmarkt waren,
Hinrichtungen und der 'Holodomor' von 1932 bis 1933 weitere 300
000 Russlanddeutsche. Mit der Politik der russischen und Sowjet
Regierung von 1915 - 1949 brachte schließlich Stalins erzwungene
Zerstreuung praktisch der ganzen deutschen Bevölkerung der UdSSR
in Sondersiedlungen and Arbeitslager in den '40ern die gesamte Todeszahl
der Russlanddeutschen auf ungefähr eine Million. Diese Endphase
zerstörte permanent die Jahrhundertalten deutschen Gemeinden an
der Wolga, in der Ukraine, auf der Krim und im Kaukasus.
Sinners Buch hat eigentlich zwei Teile: einer in Englisch und
einer in Deutsch. Die zwei Teile sind ähnlich, aber nicht identisch.
Der deutsche Teil enthält beträchtlich mehr statistische Information
in Bezug auf Demografie als der englische Teil. Im deutschen Teil
gibt es 14 statistischeTabellen wohingegen der englische Teil keine
Tabellen hat. Im Gegensatz dazu handelt der englische Teil viel
eher damit die Politik des Zaren und der Sowjets gegenüber den Russlanddeutschen
in Zusammenhang mit vergleichbaren Genozidstudien zu setzen. Sinner
gelingt es, fast die ganze englisch-sprachige Geschichtsschreibung,
die sich mit diesem Thema befasst, zu kommentieren. Er widmet sogar
mehrere Seiten den Arbeiten des Autors.
Sinner stellt fest, dass die Russlanddeutschen Opfer eines Genozids
waren, so wie es vom System des internationalen Gesetzes, das nach
dem Zweiten Weltkrieg geschaffen wurde, bestimmt wurde. Er unternimmt
auch die ersten vorsichtigen, aber notwendigen Schritte, indem er
den Genozid an Russlanddeutschen mit anderen bekannteren Verbrechen
gegen die Menschheit vergleicht. Er betont besonders einige wichtige
Ähnlichkeiten und Parallelen zum Genozid an den Russlanddeutschen
und des armenischen Genozids (Aghed). In vieler Hinsicht ist dies
Sinners größter Beitrag. Er zerschlägt glänzend das oft gehörte
Argument einiger Akademiker, dass die Sowjet Regierung nie zielbewusst
mit Massenmord auf spezifische Gruppen auf Grund ihrer Identität
reagierte. Indem er historische Irrtümer, inhärent bei solchen Argumenten,
aufklärt, förderte er sehr die Disziplin vergleichbarer Genozidstudien.
Ein großer Teil an Forschung in Bezug auf dieses dunkle Geschichtskapitel
bleibt immer noch offen. Sinners Buch hat jedoch große Umrisse des
Genozids gegen die Russlanddeutschen abgezeichnet. Er präsentiert
die historische Erzählung dieser Ereignisse und setzt sie in richtigen
theoretischen und vergleichbaren Kontext. Seine Arbeit ist ein sehr
bedeutender Beitrag zur Bildung der Russlanddeutschen sowie zu vergleichbaren
Genozidstudien.
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