Sonnernacht in der Steppe
Immanuel Manske
Heimatkalender der Bessarabiendentschen
1967, Hilfskomitees der Evangelisch – Lutherischen
Kirche aus Bessarabien e.V. Hannover, Germany, page 135
From The Herb Poppke Collection, Germans
from Russia Heritage Collection, North Dakota State University
Libraries, Fargo
Um Mitternacht war es. Wir glitten
Auf einem Steppenflüßchen hin.
Der Mond am Himmelszelt inmitten
Von Wolkenkindern trübe schien.
Die Wellen plätschernd um uns spielten,
Die Schaufelräder drehten sich,
Indem sie in den Fluten wühlten.
Ein schwacher Wind das Segel strich.
Am Ufer leis die Binsen rauschten,
Ein Reither in dem Röhricht stand,
Und einsame Kurgane lauschten
Schlaftruncken in dem Steppenland.
Am Feldrain, unter Ackerwicken
Die Grillen zirpten höbar kaum,
Und unter halbzerfallnen Brücken
Die Fröschen quakten wie im Traum.
Der hohe wilde umsäumte
Den schilfbewachsnen Uferrand,
Der Himmel schlief, die Steppe träumte,
Das Mondlicht trübe Strahlen sandt’.
Drei Feuerchen im Nachtwind glühten
Auf eines Hügels steilem Hang,
Und ihre hellen Funken sprühten
Bei junger Hirten Flötenklang.
Im Äther hörten klingen leise
Wir aus der Ferne her ein Lied,
Und die gedämpfte Trauerweise
Bewegte zärtlich mein Gemüt.
Die Nacht wich mit verhängtem Zügel,
Das Schilf im Morgenwind sich wiegt’
Der Flötenklang von jenem Hügel
Noch heut’ mir in den Ohren liegt.