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Four Generations: Great-Grandchildren of Immigrants Seek Identity

Herzog, Karen. "Four Generations: Great-Grandchildren of Immigrants Seek Identity."Bismarck Tribune, 27 December 1997.

Übersetzung: Alice Morgenstern, München, Deutschland


Basisinformation zum Text:

Die Urenkel von Einwanderern suchen ihre Wurzeln
William Sherman, Professor der Soziologie an der North Dakota State University in Fargo, verweist auf eine klassische Studie von Marcus Hansen über das allmählich schwindende Erbe an Tradition bei den Einwanderern.

Hansens Aussage, auf einen kurzen Nenner gebracht, lautet: Die erste Generation hat das Bedürfnis, in einer ethnischen Enklave zu leben. Die dritte versucht sich an das zu erinnern, was die zweite zu vergessen versuchte.

Deutsche Wurzeln
"Die erste Generation gelangt in ein beängstigendes Amerika, die Leute sprechen kein Englisch, sind nicht vertraut mit den Rechts-, wirtschaftlichen und politischen Systemen. Auf den Prärien fanden die Russlanddeutschen Bedingungen, die von Angelsachsen geschaffen worden waren, die alles unter Kontrolle hatten."

Oft waren die guten alten "englischen" Seilschaften in der Freimaurerloge oder dem Club der "Odd Fellows" vereint. Dort blieben die örtlichen Machtstrukturen lebendig. Immigranten gelangten nicht über diese Schwelle.

Die "Anglos" verfolgten das Ziel, Amerika "englisch" zu erhalten und abzusichern, dass sich kein "Klein-Norwegen" oder "Klein-Polen" in einer abgelegenen Gegend einnisten konnte.

Um sich von dieser desorientierenden Bürde zu erleichtern, machten sich die unwissenden Neulinge dorthin auf, wo ihre eigenen Leute bereits Fuss gefasst hatten. Frisch vom Auswandererschiff oder vom Zug kommend, zupften sie Fremde am Ärmel und fragten: "Wo sind die Deutschen?"

Die erste Generation suchte so weit wie möglich das Leben von einst fortzuführen, sagt Sherman. "Die Kirche wird zum Zentrum ihres Lebens, weil sie das einzige ist, was sie besassen. Die Schule und das Geschäftsleben gehörten dem englischen System an. Und ähnlich wie die Ureinwohner Amerikas wurden diejenigen bestraft, die versuchten, in ihrer Muttersprache zu reden. Die etablierten Anglos dachten so: "Wir wollen euch beibringen, wie man Amerikaner wird", sagt Sherman. "Und das ist gut so, andernfalls entwickelt ihr ein Kastenwesen."

Zwei Welten
Die zweite Generation steht in beiden Welten, sagt Sherman, noch in dem alten Landhaus, aber schon mit einem weiteren Horizont. "Sie sprechen englisch, aber ihr Akzent lässt noch an Sauerkraut denken, und sie sind ein wenig unsicher gegenüber anderen, weil sie von Leuten abstammen, die Knoblauch und Kohl assen und Ehen mit Hilfe von Heiratsvermittlern schlossen. Die zweite Generation neigt dazu, ihre Herkunft zu verbergen und versucht, ihr zu entkommen.

Neues Interesse
Die dritte Generation diente in der Armee. Für sie ist die Vergangenheit nur mehr Erinnerung. Das sind nun diejenigen, die sich für ihre Herkunft begeistern können, sagt Sherman. "Sie beginnt, Stammbäume aufzuspüren und die Grossmütter zu fragen, wie man Knöpflesuppe macht".

Wer sind wir:
Auf den Prärien lässt sich das Modell auf vier Generationen erweitern, sagt Sherman. "Hier draussen gibt es meilenweit Schlamm und Schnee, und so sind in gewisser Weise die Einwanderer vor schneller Assimilation gefeit."

Hier leben und reden die beiden ersten Generationen in kleinen Ortschaften. Es ist erst die dritte, die versucht sich zu verstecken. "Und es ist die vierte, die erwachsen wird, zurückschaut und fragt: Wer sind wir eigentlich?"

Und noch etwas kommt hinzu, sagt Sherman. "Faktisch waren die Russlanddeutschen wie niemand sonst bereits in der alten Heimat Russland eine Minderheit und entwickelten dabei ein Abwehrsystem gegen fremde Einflüsse."

Für sie war die ethnische Identität als Deutsche lebensnotwendig, und so wollten sie auch in den Vereinigten Staaten Deutsche in Amerika bleiben, sagt er.

Aber obgleich die äusseren Merkmale verschwinden, z.B. die Sprache oder die typische Gewandung, so überlebt doch das Wertesystem, sagt Sherman, und zwar durch eine Reihe von Generationen; und der religiöse Glaube ist derjenige Wert der am längsten Bestand hat.

Reprinted with permission of the Bismarck Tribune, Bismarck, North Dakota.

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